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Das auge von Huysmans

 

 

Die Ausstellung des MAMCS – ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Pariser Musée d’Orsay – lädt den Besucher zu einem Streifzug durch das Schaffen des französischen Schriftstellers und Kunstkritikers Joris-Karl Huysmans (1848-1907) ein; mit zahlreichen Schriften, Werken und Objekten ergründet sie Huysmans Welten, die das zwischen Zukunftseuphorie und Faszination für Okkultes oszillierende Fin de siècle so treffend spiegeln.

Huysmans vereint viele literarische Typologien auf sich: Vertreter des Naturalismus (er galt als der „geistige Sohn von Zola“), Chronist eines Paris im Umbruch, aufgeklärter Kunstkritiker, Dekadenzautor, katholischer Schriftsteller. All diese Facetten schließen einander nicht aus, sondern überlagern sich wie Lasurschichten unter dem Pinsel eines Alten Meisters. „Huysmans auszustellen“ erweist sich als Herausforderung, müssen dafür doch ausgesprochen verschiedenartige Werke, Objekte und Schriften versammelt werden: die Inkarnate eines Edgar Degas neben den Schwarztönen eines Félicien Rops, kostbare Bücher neben medizinischen Abhandlungen und edle Parfums neben wertlosem Tand. Huysmans trug in seinen Schriften, ganz gleich, ob es sich dabei um Presseartikel, Romane oder Korrespondenzen handelte, Wörter zusammen und schuf daraus Kataloge voll mit schillernden Farben, Stoffen und Impressionen.

In Ergänzung und Bereicherung der Ausstellung des Musée d’Orsay wartet die Straßburger Schau mit einem Reigen sehr unterschiedlich gestimmter Bilder auf: Dem Boudoir und der Pariser Straße folgen ein der Wohnung von Des Esseintes, dem Helden des Kultromans „Gegen den Strich“ (1884), nachempfundener Salon, aber auch Inszenierungen religiöser Architektur und Kunst in Anspielung auf Huysmans‘ späte Themen. In dieser Präsentation voller Sinneseindrücke trifft ein gewisses Verständnis von Moderne auf Fin-de-Siècle-Dekadenz, der Isenheimer Altar auf Folies-Bergères, Traum auf Melancholie.

Die Ausstellung umfasst über 440 Werke und Artefakte mit herausragenden Leihgaben aus dem Musée d’Orsay und dem Musée de l’Orangerie (Manet, Degas, Moreau, Caillebotte, Pissarro, Gervex, Bouguereau u.a.), der Bibliothèque nationale de France, dem Musée des Arts et Métiers (alle Paris), dem Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée (Mucem, Marseille) sowie der Bibliothèque nationale et universitaire, dem Jardin des Sciences und den Museen der Stadt Straßburg.

Kuratorin: Estelle Pietrzyk, Conservatrice en chef du Patrimoine, Leiterin des MAMCS
Die Straßburger Etappe der Ausstellung wurde von Robert Kopp, Professor für moderne französische Literatur an der Universität Basel, beraten.

 

Gemeinschaftsprojekt der Museen der Stadt Straßburg, des Musée d’Orsay und des Musée de l’Orangerie (Paris) unter Mitwirkung der Bibliothèque nationale de France und der Straßburger Bibliothèque nationale et universitaire. Die Ausstellung wird von der Eurometropole Straßburg unterstützt und mit Unterstützung von LUBIN.